Psychotherapeutische Sprechstunde Das Erstgespräch mit dem Therapeuten

Klientin bei der psychotherapeutischen Sprechstunde

Zu Beginn einer Psychotherapie steht immer das Erstgespräch. Es bietet Gelegenheit, sich kennen zu lernen, das Problem kurz zu schildern und die Behandlung zu planen. Worauf Sie beim ersten Treffen achten sollten, erfahren Sie im Artikel.

Lesedauer 12 Min
Schwerpunkt Gesundheit
Psychische Erkrankungen

Das Erstgespräch, auch psychotherapeutische Sprechstunde genannt, dient in erster Linie dem gegenseitigen Kennenlernen und der Vorbereitung einer Therapie. Daher wird das eigentliche Problem zunächst nur kurz angesprochen. Anschließend werden die Voraussetzungen für eine Behandlung abgeklärt und vorläufige Therapieziele formuliert.

Dabei gibt es einiges zu besprechen: Welche Methoden und Arbeitsweisen kommen zum Einsatz, mit welchen Kosten müssen Sie rechnen und wie oft findet eine Therapiesitzung statt. Das Erstgespräch dient also auch dazu, organisatorische Fragen zu klären.

Noch vor dem ersten Gespräch sollte die Kostenfrage geklärt sein. Fragen Sie bereits am Telefon nach dem Preis für ein Erstgespräch. Manche Therapeuten verrechnen es zum vollen Preis, andere haben dafür eigene Tarife oder verrechnen das erste Kennenlernen nur unter bestimmten Umständen.

In Deutschland wird das Erstgespräch im Rahmen der psychotherapeutischen Sprechstunde häufig von den Krankenkassen bezahlt. Weitere Informationen dazu erhalten Sie hier.

Um Enttäuschungen zu vermeiden, können einzelne Fragen bereits vor dem Erstgespräch gestellt werden. Zwar ist ein Telefonat kein Ersatz für ein persönliches Kennenlernen, trotzdem kann es sinnvoll sein, die wichtigsten Fragen schon vorher zu klären.

Nutzen Sie das Erstgespräch, um den Therapeuten auf einer persönlichen Ebene kennenzulernen. Fühlen Sie sich verstanden? Empfinden Sie Sympathie? Können Sie sich vorstellen, mit der Person über persönliche Dinge zu sprechen?

Themen der psychotherapeutischen Sprechstunde

Manche Dinge werden bei fast jedem Erstgespräch angesprochen:

  • Frequenz
    Die Frequenz der Sitzungen hängt häufig von der Therapierichtung ab; es können aber auch individuelle Wünsche berücksichtigt werden. Regelmäßige Besuche, etwa einmal pro Woche oder alle 14 Tage sind üblich. In manchen Fällen können aber auch mehrere Therapieeinheiten pro Woche notwendig sein. Manchmal – etwa bei akuten Problemen – empfiehlt sich eine höhere Frequenz, die später reduziert werden kann.
  • Dauer
    Betrifft sowohl die Dauer einer Sitzung als auch die voraussichtliche Dauer der Therapie. Eine Sitzung dauert normalerweise zwischen 45 und 60 Minuten. Standard sind 50 Minuten. Zu Beginn kann es schwierig sein, den voraussichtlichen Zeitraum der Therapie genau festzulegen. Trotzdem sollte ein Zeitpunkt vereinbart werden, an dem man gemeinsam eine erste Zwischenbilanz zieht. Wurden Fortschritte erreicht? Ist man einer Lösung nähergekommen? Ist man mit dem bisherigen Verlauf zufrieden?
  • Termine
    An welchen Tagen und zu welcher Uhrzeit findet die Therapie statt? Häufig ist es für Klient und Therapeut einfacher, wenn man einen bestimmten Wochentag fix einplant. Ist eine langfristige Planung nicht möglich, bietet es sich an, die nächsten Termine am Ende einer Sitzung festzulegen.
  • Organisatorisches
    Was ist zu tun, wenn man einen Termin nicht wahrnehmen kann? In den meisten Fällen genügt es, Termine rechtzeitig zu verschieben. Erfolgt jedoch keine rechtzeitige Absage, stellen viele Therapeuten ausgefallene Termine in Rechnung.
  • Kosten
    Die Kosten werden pro Sitzung berechnet. Normal ist ein Stundensatz von etwa 70–120€. Beim Preisvergleich sollten Sie auch auf die Dauer einer Sitzung achten.

    Fragen Sie auch nach der Möglichkeit einer Kostenübernahme durch die Krankenkasse.
  • Ziele
    Vermutlich wird Ihr Therapeut Sie auch nach Ihren Zielen im Rahmen der Therapie fragen. Eine Psychotherapie vollbringt keine Wunder; Ziele müssen realistisch und erreichbar sein. Dadurch vermeiden Sie Enttäuschungen und übertriebene Erwartungen. Nach einigen Wochen oder Monaten können Sie sich dann die Frage stellen: Habe ich meine Ziele erreicht? Wo waren Hindernisse?
  • Methoden
    Jede Psychotherapie arbeitet nach einer bestimmten Methode. Zwar können die Arbeitsweisen sehr unterschiedlich sein, ein Grundkonzept sollte jedoch immer vorhanden sein. Sie sollten sich mit den angewendeten Methoden identifizieren können und diese als sinnvoll erachten. Vermeiden Sie therapeutische Schulen, denen Sie skeptisch gegenüberstehen.

Fragen bei der psychotherapeutischen Sprechstunde

Nicht jedes Erstgespräch läuft gleich ab. Dennoch tauchen häufig dieselben Fragen auf. Beispiele dafür sind:

  • Wie sind Sie auf mich bzw. mein Angebot gestoßen?
  • Was führt Sie hierher?
  • Warum haben Sie sich gerade jetzt zu einer Psychotherapie entschieden?
  • Welche Erwartungen bringen Sie in Bezug auf die Therapie mit?
  • Was möchten Sie erreichen?
  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Haben Sie bereits früher eine Psychotherapie gemacht?
  • Kommen Sie freiwillig oder auf Druck von Angehörigen?
  • Was haben Sie bisher schon getan, um Ihr Ziel zu erreichen bzw. Ihr Problem zu lösen?

Manchmal kann es vorkommen, dass bereits beim Erstgespräch nach persönlichen Dingen gefragt wird. Informationen zur persönliche Krankengeschichte oder der familiären Situation kann für die Therapieplanung notwendig sein. Wenn Sie das Erstgespräch jedoch nur für ein erstes Kennenlernen nützen möchte, ist es natürlich in Ordnung, auf persönliche Details nicht einzugehen.

Eine Vorbereitung auf das Erstgespräch ist nicht notwendig. Selbst wenn Sie manche Fragen nicht beantworten können stellt dies kein Problem dar.

Tipps für das Erstgespräch

Eigentlich kann man nichts falsch machen – selbst wenn man im Gespräch auf die eine oder andere Frage vergisst, genügt in der Regel der Griff zum Telefon. Man kann auch nicht zu viel oder zu wenig erzählen: Ein erfahrener Therapeut kennt viele Ihrer Fragen und Sorgen und wird Sie durch das Gespräch führen. Sprechen Sie ruhig über alle Dinge, die Ihnen wichtig erscheinen.

Je nach Länge des Erstgesprächs kann es vorkommen, dass manche Themen nur kurz angeschnitten werden. Doch manchmal hat man das Bedürfnis, bestimmte Dinge genauer zu erklären. Da kann es leicht passieren, dass mehr Zeit notwendig wäre. In diesem Fall ist es sinnvoll, das Thema auf die erste Therapiesitzung zu verschieben.

Viele Dinge fallen einem erst nach dem Gespräch ein. Wenn Sie möchten, können Sie Ihre Fragen bereits vorher auf einem Zettel notieren und zum Erstgespräch mitnehmen. Einige Beispiele wären:

  • Wie sind Terminverschiebungen geregelt? Wie verhalte ich mich bei unvorhersehbaren Ereignissen oder Erkrankungen, die einen Besuch der Therapie unmöglich machen? In der Regel müssen Terminverschiebungen rechtzeitig gemeldet werden.
  • Wie wird abgerechnet? Wird am Ende einer Sitzung bezahlt oder können mehrere Sitzungen gesammelt bezahlt werden?
  • Ist eine Übernahme der Kosten durch eine Krankenversicherung möglich? Welcher Anteil wird dabei übernommen?
  • Sprechen Sie auch körperliche Beschwerden an, selbst wenn sie scheinbar nicht mit dem psychischen Problem zusammenhängen.
  • Kann der Therapeut auch außerhalb der Therapiesitzungen erreicht werden? Zu welchen Zeiten?
  • Sollte der Psychotherapeut nur zur Terminvergabe oder Terminänderung kontaktiert werden oder ist dies in Ausnahmefällen auch außerhalb der Therapiesitzungen möglich?
  • Sind Sitzungen bei Bedarf auch außerhalb des üblichen Intervalls möglich?
  • Dürfen Angehörige – wenn gewünscht – an einer Sitzung teilnehmen?
  • Wie sind die Erfahrungen des Therapeuten mit ähnlichen Problemen?

Probleme beim Erstgespräch

Das Erstgespräch dient dem ersten Kennenlernen. Man spricht miteinander und gewinnt einen ersten Eindruck von der anderen Person. Doch immer wenn Menschen miteinander arbeiten kann es passieren, dass die „Chemie“ einfach nicht stimmt. Womöglich ist man sich nicht sympathisch oder man fühlt sich unverstanden. Die Gründe, warum es nicht klappt, können individuell unterschiedlich sein. Wenn Sie das Gefühl haben, keine gemeinsame Gesprächsbasis zu finden, ist eine Behandlung nicht sinnvoll. In diesem Fall ist es besser, einfach einen andere Psychotherapeuten aufzusuchen.

Es kann passieren, dass man mit einem Erstgespräch nicht zufrieden ist und trotzdem dafür bezahlen muss. Das ist natürlich ärgerlich, aber kaum zu vermeiden: Es ist völlig normal, dass es manchmal einfach nicht „passt“ und man mit einem anderen Therapeuten besser beraten wäre.

Rückschläge und Enttäuschungen sind normal. Manchmal benötigt es einfach mehrere Versuche, bis man „seinen“ Therapeuten gefunden hat. Es mag ärgerlich sein, wenn ein Erstgespräch nicht wie erhofft verläuft – Sie werden aber rasch bemerken, dass nicht alle Psychotherapeuten gleich sind und es beim nächsten Mal vermutlich besser klappt.

Niemand muss sich rechtfertigen, wenn nach einem Erstgespräch keine weiteren Treffen stattfinden oder man den Kontakt abbricht. Es ist Ihre freie Entscheidung, bei wem Sie Ihre Therapie beginnen möchten, und diese muss immer respektiert werden. Egal, was der genaue Grund ist – Sie müssen dem Therapeuten gegenüber keine Rechenschaft ablegen.

Es ist auch möglich, dass der Therapeut die Behandlung ablehnt. Auch diese Entscheidung ist zu akzeptieren. Eine „erzwungene“ Therapie hätte keine Aussicht auf Erfolg.

Unangenehme Fragen

Grundsätzlich müssen Sie keine Fragen beantworten, wenn Sie das nicht möchten. Manchmal erfordert es Zeit, bis man das nötige Vertrauen gewonnen hat um wirklich offen sprechen zu können. Es ist also völlig normal, wenn Sie zunächst zögern, persönliche Dinge auszusprechen.

Schamgefühle verleiten manchmal dazu, die Wahrheit ein wenig zu verschleiern oder gewisse Dinge zu „beschönigen“. Diese kleinen Notlügen scheinen gerade zu Beginn praktisch, um unangenehme Dinge leichter aussprechen zu können. Im Laufe der Behandlung kann es aber sinnvoll sein, sich der Wahrheit anzunähern. Für eine wirkungsvolle Psychotherapie ist es notwendig, die eigene Situation bzw. das Ausmaß des Problems wahrheitsgemäß zu schildern. In einer guten therapeutischen Beziehung werden Sie genügend Gelegenheiten haben, kleine Unwahrheiten aus dem Erstgespräch aufzuklären.

Unangenehme Fragen sollten nur beantwortet werden, wenn Sie dem Therapeuten vertrauen. Vergessen Sie nicht: Wenn Sie eine Frage nicht beantworten möchte, tun Sie es einfach nicht.

Unterschiede Deutschland und Österreich

Während in Österreich lediglich das erste Treffen als Erstgespräch bezeichnet wird, gibt es in Deutschland die Möglichkeit der „psychotherapeutischen Sprechstunde“. Die beiden Konzepte sind ähnlich, allerdings ist für die psychotherapeutische Sprechstunde mehr Zeit vorgesehen. Zwei bis sechs Einheiten à 25 Minuten ermöglichen eine ausführlichere Auseinandersetzung mit dem Klienten.

Die Einheiten können auch zusammengefasst werden und entsprechen dann in etwa 50 Minuten. Sie haben also genügend Zeit, alles in Ruhe zu besprechen – bei Bedarf kann die Sprechstunde einfach verlängert werden.

Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
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